Der 15. April und Leonardo da Vinci — warum es einen Weltkunsttag gibt
Gesellschaft & Politik

Der 15. April und Leonardo da Vinci — warum es einen Weltkunsttag gibt

September 2026

Kurzfassung

Der Weltkunsttag findet jährlich am 15. April statt — Leonardo da Vincis Geburtstag. Vorgeschlagen hat ihn 2011 die International Association of Art (IAA), erstmals gefeiert wurde er 2012. Offiziell anerkannt hat ihn die UNESCO erst 2019 — zusammen mit sieben weiteren neuen internationalen Aktionstagen, die auf derselben Generalkonferenz beschlossen wurden. Ziel laut UNESCO: die Entwicklung, Verbreitung und Wertschätzung von Kunst weltweit zu fördern. Nicht zu verwechseln mit dem Internationalen Museumstag (18. Mai) oder dem deutschen Tag der Druckkunst (15. März).

Am 15. April haben Museen weltweit länger geöffnet, oft kostenlos. Galerien laden zu Sonderführungen, Kulturinstitutionen posten mehr als an jedem anderen Tag im Jahr. Weltkunsttag. Die wenigsten, die an diesem Tag ein Bild teilen oder eine Ausstellung besuchen, wissen, warum ausgerechnet dieses Datum dafür steht.

Die Antwort ist naheliegender, als man denkt: Es ist Leonardo da Vincis Geburtstag. Geboren am 15. April 1452, in Vinci bei Florenz. Und die Wahl dieses Tages sagt mehr über den Sinn des Weltkunsttages aus als jede offizielle Erklärung.

Wie der Tag entstand

Der Weltkunsttag ist keine jahrhundertealte Tradition. 2011 brachte der türkische Künstler Bedri Baykam, damals Präsident des türkischen Künstlerverbands, bei der 17. Generalversammlung der International Association of Art (IAA) in Guadalajara, Mexiko, den Vorschlag ein, den 15. April künftig als „World Art Day“ zu begehen. Erstmals gefeiert wurde er 2012 — zunächst ohne offiziellen UNESCO-Status, getragen allein von der IAA und ihren Mitgliedsverbänden weltweit.

Acht Jahre dauerte es, bis daraus ein offizieller UNESCO-Gedenktag wurde. Mexiko und die Türkei brachten den Vorschlag vor den UNESCO-Exekutivrat, der ihn auf seiner 206. Sitzung im April 2019 einstimmig annahm. Endgültig ratifiziert wurde die Entscheidung im November 2019 von der 40. UNESCO-Generalkonferenz in Paris. Bemerkenswert dabei: Der Weltkunsttag war nicht der einzige neue Aktionstag, den die Konferenz an diesem Termin beschloss — gleichzeitig riefen die Mitgliedsstaaten sieben weitere neue internationale Tage ins Leben, darunter der Tag der Mathematik (14. März), der Tag der islamischen Kunst (18. November) und der Tag der portugiesischen Sprache (5. Mai). Offizielles Ziel laut UNESCO: „die Entwicklung, Verbreitung und Wertschätzung von Kunst weltweit zu fördern“↗.

Wer hinter dem Tag steht

Die IAA, die den Weltkunsttag ins Leben gerufen hat, ist selbst älter, als man vermuten würde. Ihre Wurzeln reichen zurück zu einer UNESCO-Konferenz 1948 in Beirut, bei der erstmals die Idee eines permanenten internationalen Forums bildender Künstler diskutiert wurde. 1951 beauftragte die UNESCO-Generalkonferenz ihren Generalsekretär, einen internationalen Künstlerkongress einzuberufen — der 1952 in Venedig stattfand. 23 Regierungen und 48 Künstlerverbände aus 19 Ländern sprachen sich dort für die Gründung einer internationalen Vereinigung aus. 1954, wieder in Venedig, konstituierte sich die IAA offiziell.

Heute ist die IAA/AIAP↗ die größte internationale Nichtregierungsorganisation bildender Künstler weltweit — mit über 100 Mitgliedsverbänden und dem Status einer beratenden UNESCO-Partnerorganisation.

Warum ausgerechnet Leonardo da Vinci

Da Vinci war Maler. Aber auch Ingenieur, Anatom, Erfinder, Naturforscher. Die Mona Lisa entstand parallel zu anatomischen Studien, zu Flugmaschinen-Skizzen, zu Wasserbau-Konzepten. Für da Vinci war das keine getrennte Beschäftigung — Malen und Konstruieren liefen aus derselben Beobachtungsgabe.

Er selbst brachte diese Verbindung einmal so auf den Punkt: „Die Malerei ist eine Dichtung, die man sieht, und die Dichtung ist eine Malerei, die man hört.“ Genau diese Haltung — Kunst nicht als Gegenpol zu Wissenschaft und Beobachtung, sondern als Teil davon — macht ihn zur Symbolfigur für einen Tag, der Kreativität ohne Grenzen feiern will. Kein anderer historischer Künstler vereint Malerei, Naturwissenschaft und Erfindergeist so offensichtlich in einer Person — ein Grund, warum sein Geburtstag sich als international konsensfähiges Datum durchsetzte, ohne einer einzelnen Kunstepoche oder Nationalität zugeordnet zu sein.

Was am 15. April tatsächlich passiert

Die UNESCO schreibt keine feste Veranstaltung vor. Stattdessen ruft sie weltweit zu Debatten, Konferenzen, Workshops, kulturellen Veranstaltungen und Ausstellungen auf — organisiert von Museen, Kunstvereinen, Schulen, den Nationalkomitees der IAA und Privatpersonen gleichermaßen. In vielen Ländern nutzen Museen den Tag für verlängerte oder kostenfreie Öffnungszeiten, Galerien laden zu Sonderführungen, Kunstschulen öffnen ihre Ateliers. International verbreitet sich der Tag vor allem unter dem Hashtag #WorldArtDay, unter dem an einem einzigen Tag oft mehrere Zehntausend Beiträge zusammenkommen — von Museen genauso wie von einzelnen Künstlerinnen und Künstlern, die ihr Atelier öffnen.

Der Gedanke dahinter, den auch die Österreichische UNESCO-Kommission↗ betont: Jeder ist eingeladen, sich auf seine eigene Weise zu beteiligen — sei es durch den Besuch eines Museums, das Entdecken einer bislang unbekannten Kunstform, oder indem man selbst zu Stift, Pinsel oder Kamera greift.

Zwei Tage, die oft verwechselt werden

Wer im Kalender blättert, stolpert leicht über zwei ähnlich klingende Termine.

Der erste ist der Internationale Museumstag am 18. Mai, ausgerufen vom International Council of Museums (ICOM). Er ist älter (seit 1977) und fokussiert sich, wie der Name sagt, auf Museen als Institution. Der Weltkunsttag setzt breiter an: auf Kunst und künstlerisches Schaffen selbst, unabhängig davon, ob es gerade in einem Museum hängt oder nicht.

Der zweite ist speziell in Deutschland relevant: der Tag der Druckkunst↗ am 15. März, organisiert vom BBK Bundesverband. Nur einen Monat vor dem Weltkunsttag und mit ganz ähnlichem Namen, aber eigenständig — er würdigt ausschließlich die Druckgrafik (Radierung, Siebdruck, Lithografie) mit Ausstellungen, Kursen und offenen Werkstätten bei Kunstvereinen und Hochschulen im ganzen Land.

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