
4. August 2025
149 Millionen Euro. So viel hat der Berliner Senat im Rahmen seiner Sparmaßnahmen aus dem Kulturetat gestrichen. Das entspricht mehr als einem Drittel des gesamten Kulturbudgets der Hauptstadt. Gleichzeitig hat die Bundesregierung ihren eigenen Kulturetat erhöht.
Zwei Ebenen, zwei entgegengesetzte Bewegungen — und dazwischen stehen Galerien, Theater, Museen und freie Künstler, die nicht wissen, worauf sie sich verlassen können.
Berlin hat ein Haushaltsproblem. Das ist kein Geheimnis. Seit Jahren wächst die Stadt schneller als ihre Steuereinnahmen, die Verschuldung steigt, und irgendwann muss irgendjemand Prioritäten setzen. Der Senat unter Kai Wegner entschied sich für Kürzungen quer durch alle Ressorts — und die Kultur traf es hart.
149 Millionen Euro Einsparungen im Kulturbereich betreffen eine Infrastruktur, die die Stadt über Jahrzehnte aufgebaut hat. Volkstheater, Stadtbibliothekenverbund, freie Theatergruppen, Projektzuschüsse für zeitgenössische Kunst, Atelierprogramme für Berliner Künstlerinnen und Künstler. All das steht unter Druck.
Der politische Argument dahinter ist nicht unverständlich: Die Stadt muss sparen, und Kulturausgaben sind schwer zu rechtfertigen, wenn Schulen saniert werden müssen und die U-Bahn kaum zuverlässig fährt. Kulturschaffende hören das nicht gern. Aber es ist die Wirklichkeit des politischen Abwägungsprozesses.
Was die Kritiker zu Recht einwenden: Die Effekte treffen die Schwächsten in der Kulturszene zuerst. Etablierte Institutionen mit eigenem Publikum und Stiftungsgeldern kommen durch. Kleine Galerien, freie Gruppen, junge Künstler ohne Netzwerk — die brechen weg.
Auf Bundesebene sieht das anders aus. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien verwaltet einen Haushalt, der in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Bundesgeförderte Institutionen wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Bundesarchiv oder die Filmförderungsanstalt sind weitgehend stabil.
Das klingt gut. Ist es auch. Aber der Bund fördert Institutionen von nationaler Bedeutung, keine kleinen Berliner Galerien. Die Ebene der stadtspezifischen, kleinteiligen Kulturinfrastruktur — die Ateliers, die Galerienszene, die lokalen Kunstvereine — liegt primär beim Land und bei der Stadt. Und genau da wird gestrichen.
Kurzfristig: Angst. Wer von Projektförderung lebt, plant nicht mehr als ein Jahr im Voraus. Ausstellungen werden abgesagt, Projekte nicht begonnen, Stellen nicht verlängert. Das spürt man — nicht laut, sondern als langsames Austrocknen.
Mittelfristig: Konsolidierung. Die Galerien, die nicht primär von öffentlichen Mitteln abhängig sind, die sich seit Jahren über den freien Markt finanzieren, stehen stabiler da. Das gilt für Galerien, die mit Unternehmenskunden arbeiten — Firmen, Kanzleien, Praxen —, nicht nur mit öffentlicher Hand oder Kulturpolitik.
Das ist kein Zynismus. Es ist eine Beobachtung darüber, welche Teile des Kunstmarktes resilient sind und welche nicht.
Hier kommt ein Aspekt ins Spiel, der selten diskutiert wird: Wenn der öffentliche Sektor weniger in Kultur investiert, entsteht eine Lücke. Diese Lücke kann auch von privaten Akteuren gefüllt werden — von Unternehmen, Kanzleien, Stiftungen, die Kunst kaufen, mieten oder Künstler unterstützen.
Das ist in anderen Ländern Normalzustand. In den USA finanzieren Unternehmen einen beträchtlichen Teil der Kulturlandschaft — durch Corporate Sponsoring, Unternehmenssammlungen und private Stiftungen. In Deutschland ist diese Kultur schwächer ausgeprägt, aber sie wächst.
Wer heute in Berlin Kunst kauft oder mietet, trägt — auf bescheidenem Maßstab — zur Lebendigkeit des lokalen Kunstmarktes bei. Ein Werk bei einer Berliner Galerie zu kaufen oder dort zu leasen bedeutet: Das Geld bleibt in Berlin. Künstler können arbeiten. Galerien bleiben offen.
Das ist kein Werbeversprechen. Das ist Wirtschaftskreislauf.
Galerien, die auf Unternehmenskunden setzen, reagieren auf die Haushaltslage meist pragmatisch. Sie werben nicht um öffentliche Förderung — sie hatten sie oft nie. Stattdessen haben sie über Jahre Strukturen aufgebaut, die unabhängig von Subventionen funktionieren.
Wir sind so ein Beispiel. Gegründet 1992 in Braunschweig, seit 2000 in Berlin, finanzieren wir uns ausschließlich über den Kunstmarkt — Verkauf, Kunstmiete und Beratung für Unternehmen. Öffentliche Förderung war nie Teil unseres Geschäftsmodells. Das macht uns unabhängiger von politischen Schwankungen. Wir sagen das ohne Groll: Wer sich den Beruf Künstler aussucht, hat sich für ein Geschäft entschieden — und ein Geschäft muss sich rechnen.
Die Grundidee dahinter: Wenn Unternehmen Kunst kaufen oder mieten — nicht aus Altruismus, sondern weil es ihren Räumen und ihrer Außenwirkung nutzt —, entsteht ein Markt, der sich selbst trägt. Dieser Markt braucht keine Subventionen. Er braucht Käufer und Mieter.
Um das zu verstehen, hilft ein Vergleich. Das Berliner Ensemble — eines der prestigeträchtigsten Theater der Stadt — hat einen Jahresetat von rund 35 Millionen Euro. Das bedeutet: Die gestrichenen 149 Millionen hätten vier Spielzeiten des Berliner Ensembles finanziert.
Oder anders ausgedrückt: Es sind 149 Millionen Euro, die im Kultursektor fehlen, in Stellen, in Projekten, in Förderungen, die nie ausgezahlt werden.
Ob das klug ist, darüber lässt sich streiten. Was nicht strittig ist: Die privaten und unternehmerischen Alternativen zur öffentlichen Kulturfinanzierung gewinnen an Bedeutung. Nicht als Ersatz — das wäre naiv —, aber als Ergänzung.
Die politische Debatte über Kulturkürzungen ist eine Sache. Was Sie konkret tun können, ist eine andere.
Es gibt aber auch eine andere Perspektive auf diese Zahl. 149 Millionen Euro weniger Kultursubvention bedeuten nicht automatisch 149 Millionen Euro weniger Kultur. Es bedeutet, dass Teile der Kulturlandschaft, die bisher öffentlich finanziert wurden, andere Wege finden müssen — oder verschwinden.
Was konkret passiert, wenn Galerien schließen: Künstler verlieren ihre Ausstellungsorte. Sie haben weniger Einnahmen. Sie arbeiten weniger, produzieren weniger, geben auf. Die Berliner Kunstszene, die seit den 1990er-Jahren Weltgeltung erlangt hat, lebt von einer Dichte an Galerien, Ateliers und Institutionen, die sich gegenseitig stützen. Wenn Teile davon wegbrechen, ist das nicht reversibel — zumindest nicht kurzfristig.
Der Kulturetat-Streit ist deshalb nicht nur eine Haushaltsfrage. Er ist eine Frage darüber, was Berlin in zehn Jahren ist.
Wenn Sie in Berlin ein Büro betreiben, eine Kanzlei führen oder eine Praxis haben, können Sie Kunst kaufen oder mieten. Das ist kein politischer Akt, sondern ein wirtschaftlicher. Und ja: Es hat als Nebeneffekt, dass Geld in der Berliner Galerieszene bleibt.
Wir bieten dafür einen einfachen Einstieg: Kunstmiete ab 25 Euro im Monat, Originale aus unseren eigenen Ateliers, Lieferung und Aufhängung inklusive. Sie brauchen keine Meinung zur Kulturpolitik. Sie brauchen nur einen schönen, leeren Raum. Und den hat fast jedes Büro irgendwo.
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